In den letzten Jahren wird eine Bewegung in den USA immer
stärker, die man als christliche Fundamentalisten bezeichnen kann.
Sie kämpfen unter Anderem gegen die (ihrer Meinung nach) vorherrschende
sexuelle Konsumkultur, weltliches Wissen, Schwule und Abtreibung.
Es gibt mittlerweile christlich-fundamentale Schulen,
Hochschulen und Universitäten. In aufwendigen Multimediashows und Clips im
Internet präsentieren sie sich als Gemeinschaft für eine bessere Welt; eine „Armee
der Liebe“.
Sie sind der Auffassung, dass wenn man Homosexuelle
anerkennt, Gott den USA die Liebe entziehen würde. Frauen gelten für sie nur
als Gebärmaschinen, die dem Mann zu dienen, den Haushalt zu führen und Kinder
zu erziehen haben. Andere Religionen werden verachtet und die Verfassung der USA
als feindlich gegenüber der Bibel angesehen.
Diese Bewegung schaffte es, das Modell der Homeschool
salonfähig zu machen, so dass es mittlerweile über 2.000.000 Kinder in den USA
gibt, die Zuhause unterrichtet werden.
Die Eltern sind der festen Überzeugung, dass ihre Kindern
ihnen von Gott gegeben wurden, und deshalb nur sie dazu berechtigt sind zu
entscheiden, was ihr Kind lernen soll. Sie sehen das Prinzip der öffentlichen
Schule als Beschneidung ihrer Rechte an und halten es für Einmischung der
Regierung in ihre Privatangelegenheiten. Es gibt inzwischen spezielle Computer-Lern-Software
für einen „christlich“ geprägten Unterricht, bei dem beispielsweise gelehrt
wird, dass Gott die Welt erschaffen hat und die Evolutionstheorie nur eine
Spinnerei sei. Der Mensch habe dem natürlichen Prinzip zu folgen: Gott steht
über Jesus, Jesus über dem Mann und der Mann über der Frau. Dieses Prinzip sei
nicht diskutierbar und müsse einfach anerkannt werden.

Diese Strömungen haben vor allem dort große Erfolge, wo neue
Wohnsiedlungen geschaffen, aber keine kulturellen Zentren eingerichtet wurden. Auf
der Suche nach einer Gemeinschaft wenden sich Familien an die dort ansässigen „Kirchen“
und finden Freunde, Hobbys und Halt.
Mitglieder und Anhänger sind zum Großteil Weiße mittleren
Einkommens.
Das wäre ja auch alles gar nicht so schlimm, könnte man
meinen, wenn diese Ideologien nicht immer bedeutsameren Einfluss auf die
amerikanische Politik hätten.
Es kommen immer wieder Fälle von Rekrutierungsversuchen
innerhalb der US-Armee, an das Tageslicht. Die Anhänger eines solchen Glaubens
finden sich immer häufiger auch in den Reihen des Pentagons oder anderen
politischen Machtzentren.
Wenn wieder einmal republikanischer Vorwahlkampf ist, kommt
kein Präsidentschaftskandidat um Veranstaltungen dieser Bewegung herum. Einige
der wichtigsten Organisationen sind unter anderem „Focus On The Family“ und „Family
Research Council“, die sehr starken Einfluss auf die republikanische Partei
hat. So haben schon Politiker wie Mike Huckabee, Rudy Giuliani oder George W. Bush
auf Veranstaltungen Reden gehalten, die allgemein als Stimmungsbarometer
innerhalb der Partei gelten.
In der letzten Zeit hört man wieder häufiger von der
sogenannten „Tea-Party“, einer ultra-konservative Bewegung aus den USA, die immer stärkeren Rückhalt in der amerikanischen Bevölkerung findet. Viele
Anhänger der Bewegung sind gleichzeitig auch Mitglieder dieser
erzkonservativen, fundamentalistischen Glaubensgemeinschaften.
Präsident Obama sehen sie nicht mehr nur als ihren politischen Gegner, sondern als ihren Erzfeind an. Sie preisen die Freie Marktwirtschaft an, sind gegen die Macht des Staates und für den Einsatz des amerikanischen Militärs. Interessant wird es aber erst, wenn man bedenkt, dass die Hauptfinanzierer der Tea-Party David Koch und sein Bruder Charles sind, denen das zweitgrößte amerikanische Privatunternehmen gehört, das unter Anderem Ölraffinerien, Kohlekraftwerke, Chemieanlagen und Holzunternehmen betreibt.
Es ist schon ziemlich traurig mit anzusehen, wie einige wenige Menschen es schaffen, Leute von Ideologien zu überzeugen, die der großen Mehrheit überhaupt nichts nutzen, sondern nur denjenigen, die die Machthebel in der Hand halten.
Da kann man nur hoffen, dass irgendwann vielleicht doch die Vernunft siegen wird.
Quellen:
http://www.nytimes.com/2010/08/29/opinion/29rich.html?_r=1&partner=rss&emc=rss
Bildquellen:
http://www.acquirethefire.com/images/uploads/14074162-14074164-slarge.jpg
http://cdn.spiegel.de/images/image-125003-topicbig-qkcl.jpg
http://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/thumb/6/6a/Christian_Demonstrator_Preaching_at_Bele_Chere_2007.jpg/220px-Christian_Demonstrator_Preaching_at_Bele_Chere_2007.jpg
Mittschnitt aus Doku (siehe Quellenangabe)